Grüner knopf

Sozial. ökologisch. staatlich. unabhängig zertifiziert

Standardversion

Der Standard extistiert seit 2019

Aktuelle Standardversion: von 2019

Einführungsphase bis 30.06.2021

Klassifizierung

Staatliches, unabhängiges Nachhaltigkeits-Label

Typ A, Typ I

 

Standardinhaber und Beteiligte

Bildmarke, Logo


Inhaber und zuständig für die Festlegung der Kriterien des Siegels ist der deutsche Staat, genauer das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Eine Geschäftsstelle wurde bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH geschaffen, die bis zur Einrichtung einer Vergabestelle zusätzlich deren Aufgaben übernimmt. Noch 2019 soll ein Beirat, bestehend aus VertreterInnen aus Wirtschaft und Gesellschaft, vom BMZ ernannt werden, der in der Weiterentwicklung des Grünen Knopfs beratend mitwirkt. Für die Akkreditierung der Prüfstellen ist die  Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkks) verantwortlich.

Akkreditierte Prüfstellen (Konformitätsbewertungsstellen) sind:
TÜV Nord, Control Union, DEKRA, TÜVRheinland - DIN CERTCO, PFI Pirmasens

iitfits - GOTS Logo

Ziel, Hintergrundinformationen

Der Grüne Knopf ist als staatliches Meta-Siegel für Textilien konzipiert, die unter sozialverträglichen und umweltfreundlichen Bedingungen hergestellt werden. Nach erster Erwähnung im Jahr 2014 wurde das Siegel im September 2019 mit einer bis zum 30.06.2021 dauernden Einführungsphase vorgestellt.
Genutzt werden soll es von Unternehmen, die verantwortungsbewusst handeln. Ziel des Grünen Knopfs ist es, VerbraucherInnen und öffentlichen Vergabestellen ein vertrauensvolles Siegel zur Verfügung zu stellen und somit Orientierung beim Kauf nachhaltiger Textilien zu geben. Dafür bietet ein Eintrag beim Deutschen Patent- und Markenamt als nationale Gewährleistungsmarke gemäß § 106 (a-h) Markengesetz die Basis.

Geltungsbereich / Regelbereich

Geltungsbereich

Angewendet werden kann das Siegel bei fast alle Textilien, welche in Bekleidung, Mode-Accessoires, Heimtextilien, Matratzen, Bettwaren, Rucksäcke, u.a. verarbeitet sind (s. Waren- und Dienstleistungsverzeichnis zur Gewährleistungsmarke).

 

Regelbereich

In der Einführungsphase deckt der Grüne Knopf lediglich die Stufen Konfektionierung (Zuschneiden, Nähen) und Textilveredelung (Färben, Bleichen) ab.

Es sind Textilfasern aller Art zulässig, so auch Synthetikfasern.

Um ein Produkt mit dem Grünen Knopf kennzeichnen zu dürfen, müssen 46 ökologische und soziale Kriterien erfüllt und geprüft sein. Dieser Kriterienkatalog umfasst 26 Produkt- und 20 Unternehmenskriterien.

 

Auf Produktebene müssen in den folgende Sozial- und Umweltbereichen Kriterien erfüllt werden:

Sozialkriterien
1.1 Rechte für Arbeiterinnen und Arbeiter und Entlohnung
     Vereinigungsfreiheit, Kollektivverhandlungen, Nicht-Diskriminierung, Arbeitsverträge, Arbeitszeiten und bezahlte Überstunden,              Gesetzlicher Mindestlohn, Mutterschutz, Sub-Unternehmen
1.2 Kinder- und Zwangsarbeit
      Mindestalter, Schlimmste Formen von Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Belästigung, Disziplinierung und Missbrauch
1.3 Gesundheit und Sicherheit der Arbeiterinnen und Arbeiter
      Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, Bedingungen am Arbeitsplatz, Hygienische Bedingungen (Trinkwasser und sanitäre                Anlagen), Gebäudesicherheit und Brandschutz, Rechtmäßigkeit der Geschäfte

Umweltkriterien
2.1 Emissionen und Rückstände
      Abwasser, Luftverschmutzung, Chemische Rückstände
2.2 Chemikalieneinsatz
      Gesundheitsschädliche Chemikalien, Umweltschädliche Chemikalien, REACH – besonders besorgniserregende Stoffe, Biologische               Abbaubarkeit von Stoffen
2.3 Fasereinsatz
      Einsatz von Naturfasern, Einsatz von Synthetikfasern

Die Sozialkriterien zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht (Due Diligence) basieren auf den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, deren Umsetzung in Deutschland etwa im Rahmen des Nationalen Aktionsplans (NAP) erfolgt, sowie Empfehlungen der OECD für den Textilsektor. Der Schwerpunkt liegt auf den individuellen möglichen Risiken und realen Auswirkungen der Unternehmenstätigkeiten auf Menschenrechte und Umwelt.

5 Kernelemente der Unternehmenskriterien
1)    Unternehmenspolitik ausrichten
2)    Risiken identifizieren und priorisieren
3)    Effektive Maßnahmen ergreifen
4)    Transparent berichten
5)    Beschwerden berücksichtigen

Absicherungssystem / Konformitätsprüfung

Kontrolliert wird die Einhaltung der Kriterien von unabhängigen Prüfstellen, die von der staatlichen Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) akkreditiert wurden.

Die Produktkriterien werden auf Basis bereits bestehender, anerkannter Siegel – GOTS, IVN Best, Oeko-Tex Made in Green, Fair Wear Foundation, Fairtrade Textilstandard, SA8000, Cradle2Cradle Silver und Bluesign Product – überprüft.

 

Bild-Quelle: https://www.gruener-knopf.de/kriterien.html, abgerufen am 21.11.2019

Abhängig von den Anforderungen des jeweiligen Standards bezüglich sozialer und ökologischer Kriterien ist die Zertifizierung mit einem oder einer Kombination aus mehreren dieser Siegel notwendig.

Zur Prüfung der Unternehmenskriterien erklären sich Unternehmen bei Antragstellung bereit, Unterstützung und Auskunft gegenüber der Prüfstelle zu leisten sowie uneingeschränkte Einsicht in relevante Unterlagen zu gewähren.
Zum Zeitpunkt der Erstprüfung muss die Erfüllung der Unternehmenskriterien sowie die Einhaltung der Produktkriterien für mindestens ein Produkt oder einen Produkttypen belegt werden. Der Geltungsbereich kann währen der Laufzeit jederzeit hinsichtlich Produkte oder Produkttypen ergänzt oder reduziert werden.
Nach erfolgreicher Prüfung wird ein drei Jahre gültiges Zertifikat ausgestellt, das die Einhaltung der Kriterien bescheinigt. Innerhalb dieser Zeit findet jährlich eine stichprobenartige Kontrolle statt. Nach Ablauf der drei Jahre muss eine neue Prüfung erfolgen.

Märkte

Zum Start des Grünen Knopfs im September 2019 waren 27 teilnehmende Unternehmen geprüft, u.a. ALDI SÜD Dienstleistungs- GmbH & Co. oHG, Hess Natur-Textilien GmbH und Modespitze Plauen GmbH. 
26 weitere befinden sich im Prüfprozess, wie z.B. Otto GmbH & Co KG, Jute statt Plastik e.K. und HUGO BOSS AG.

 

Zur Einführung sind bisher nur deutsche Unternehmen dabei. Beim Grünen Knopf handelt es sich formal jedoch um ein globales Siegel, welches EU- und WTO-Recht entspricht. Da die Zertifizierung des Grünen Knopfs auf Grundlage internationaler, harmonisierter ISO-Normen erfolgt, kann er für die nachhaltige öffentliche Beschaffung in der Europäischen Union (EU) genutzt werden.

kennzeichnung

Das zertifizierte Unternehmen unterzeichnet mit der Geschäftsstelle (GIZ) einen Lizenzvertrag, der das entsprechende Unternehmen während der Vertragslaufzeit dazu berechtigt, geprüfte Produkte mit dem Grünen Knopf zu versehen. Bei der Kennzeichnung gelten die Vorgaben des Lizenzvertrags und des Logo Manuals (dieses wird nach Abschluss des Lizenzvertrags ausgehändigt und ist nicht öffentlich zugänglich).

Für die Kennzeichnung kann das Logo des Grünen Knopfs gut sichtbar am Etikett, d.h. direkt am Produkt oder auf der Verpackung angebracht werden.

Anmerkungen und Andere über den Grünen Knopf sagen

Die Stärken des Grünen Knopfs:

  • Der Grüne Knopf definiert soziale und ökologische Kriterien.
  • Es wird das gesamte Unternehmen auf verantwortungsvolles Handeln geprüft, nicht nur einzelne Produkte.
  • Es wird eine unabhängige Zertifizierung gefordert.
  • Als staatliches Siegel steht der Grüne Knopf für Vertrauen.

Schwächen des Grünen Knopfs:

  • Zur Einführung sind die Anforderungen des Grünen Knopfs milde: Zwar ist die Zahlung von Mindestlöhnen verankert, nicht aber von existenzsichernden Löhnen; Auch wird bislang nicht die gesamte Lieferkette abgedeckt, sondern lediglich die Verarbeitungsschritte Bleichen, Färben und Konfektion
  • Sofern die Herstellung der Produkte vollständig in der EU erfolgt, ist ein Nachweis zur Einhaltung von Sozialkriterien im Rahmen der Produktkriterien nicht erforderlich. Problematisch daran ist, dass es trotz EU-Recht Fälle von Verstößen gegen diese Kriterien (z.B. Nichtzahlung des gesetzlichen Mindestlohns und Zwangsarbeit) gibt.
  • Freiwilligkeit: Eine reine unternehmerische Selbstverpflichtung ist nicht ausreichend.
  • Aus Sicht von it fits – Organic Textile Partner ist ein zusätzliches staatliches Siegel nicht notwendig, sondern die Stärkung schon vorhandener qualitativ hochwertiger Siegel empfehlenswert (s. Gutachten „Der Weg zu nachhaltiger Kleidung“).

Während der Einführungsphase übernimmt teilweise das Ministerium/der Staat die Kosten zur Zertifizierung und möglicher Beratungsleistungen. Nach der Pilotphase müssen diese von den Unternehmen selbst getragen werden. Über die Höhe der Kosten wurde bislang noch keine Aussage gemacht. Für den Grünen Knopf werden keine Lizenzgebühren erhoben. 

Im Rahmen der stetigen Weiterentwicklung des Grünen Knopfs werden zum einen die Produkt- und Unternehmenskriterien überarbeitet. So sollen beispielsweise existenzsichernde Löhne aufgenommen werden. Zum anderen steht die Ausweitung auf weitere Produktionsstufen im Fokus.

Relevante Dokumente und Links