GOTS - Global Organic Textile STandarD

Anspruchsvolle ökologische und soziale Kriterien

Standardversion

Der Standard extistiert seit 2006, Label seit 2008

Aktuelle Standardversion: GOTS 5.0 von März 2017

Überarbeitung im zwei Jahres Rhythmus

Klassifizierung

Institutionelles, unabhängiges Nachhaltigkeits-Label
Typ A (gesamte Produktionskette), Typ I (unabhängige Inspektion und Zertifizierung)

Standardinhaber und Beteiligte

Bildmarke, Logo


Inhaber und Herausgeber des GOTS ist die Global Standard gGmbH (eine gemeinnützige Organisation).

Hinter dieser Global Standard gGmbH stehen die folgende vier Organisationen: International Associciation Natural Textile Industry (IVN), Soil Association (SA), Organic Trade Association (OTA), Japan Organic Cotton Association (JOCA).

 

15 akkreditierte Zertifizierer:

bio.inspecta AG, Certificazione e Controllo Prodotti Biologici ltd b.v.( CCPB), Control Union Certifications b.v., ETKO Ekolojik Tarim Kontrol Organizasyonu Ltd Sti, Kontrol ve Sertifika Ltd.Sti., Istituto per la Certificazione Etica e Ambientalev (ICEA), LETIS S.A., OIA Organizacion Internacional Agropecuaria S.A., OneCert Inc., Oregon Tilth, Inc., Soil Association Certification Ltd., CERES GmbH, China Quality Certification Centre, Control Union Gozetim ve Belgelendir Ltd. Sti, CU Inspections and Certifications India Pvt. Ltd., Ecocert Greenlife, Kiwa BCS Öko-Garantie GmbH, USB Ulusal Sistem Belgelendirme Itizmetleri Ltd. Sti.

iitfits - GOTS Logo

Ziel, Hintergrundinformationen

Ziel dieses Standards ist es, Anforderungen zu definieren, um den ökologischen Status von Textilien, angefangen von der Gewinnung textiler Rohfasern über umweltverträgliche und sozial verantwortliche Herstellung bis zur Kennzeichnung der Endprodukte zu gewährleisten und dadurch eine glaubwürdige Produktsicherheit für den Endverbraucher zu erzielen.

 

Mit dem GOTS ist zunächst eine Betriebszertifizierung verbunden. Nur Produkte, deren Produktionskette durchgängig gemäß dem GOTS zertifiziert ist, dürfen mit dem GOTS-Logo gekennzeichnet werden. Definiert sind Umwelt- und Sozialkriterien für die gesamte Textillieferkette. Nur Textilprodukte, die mindestens aus 70% biologisch erzeugten Naturfasern bestehen, können gemäß GOTS zertifiziert werden. Alle eingesetzten chemischen Zusätze, wie z. B. Farbstoffe und Hilfsmittel, müssen bestimmte umweltrelevante und toxikologische Kriterien erfüllen. Auch für die Verwendung von Accessoires gelten entsprechende Anforderungen. Eine funktionelle Abwasserkläranlage ist für alle Betriebsstätten, die im Bereich Nassveredlung tätig sind, vorgeschrieben. Alle Verarbeitungs- und Handelsbetriebe müssen soziale Mindestkriterien erfüllen.

 

Der Standard wird im drei Jahres Rhythmus überarbeitet. Die Standardversion 5.0 fordert ein Verbot von Bioziden und bestimmten Weichmachern, in eingeschränktem Mass sind syntetische Veredlungsmethoden erlaubt. Der Einsatz von Nanotechnologie ist verboten, Wasser- und Energieverbrauch in der Veredlung müssen dokumentiert werden und es darf nur (post-consumer) recyceltes Polyester eingesetzt werden. Zur vorherigen Version GOTS 4.0 gab es Änderungen im Bereich Chemikalien, Zutaten, Sozialkriterien, Materialzusammensetzung und einige Formulierungen wurden angepasst.

 

Beim GOTS stehen Positivlisten zur Verfügung in denen  ca. 3.500 Farbstoffen/Druckpigmenten sowie 4.500 Textilhilfs- und prozessmittel von rund 315 Textilchemikalien-Anbietern zugelassen wurden und den GOTS-Kriterien entsprechen. Derzeit entsehen ähnliche Positivlisten für den Einsatz von Zutaten/Accessoires.

Geltungsbereich / Regelbereich

Geltungsbereich

  • Textilien (Fasern, Garne, Stoffe)
  • Bekleidung und textile Mode-Accessoires
  • Heimtextilien
  • Matratzen
  • textile Spielzeuge
  • kombinierte Produkte (Kinderwagen mit Stoffanteilen, Korbwagen, Autositze oder Möbel mit textiler Stoffpolsterung,...)
  • nur für Naturfasern aus ökologischem Anbau

 

Regelbereich

Der GOTS definiert anspruchsvollsten Kriterien über die gesamte textile Kette. Zertifiziert werden ausschließlich Textilien (Heimtextilien, Bekleidung, Garne, Stoffe, etc.) aus kontrolliert biologisch angebauten Naturfasern. Der Standard regelt die Textilverarbeitung (Entkörung, Spinnen Weben/Stricken, Färben/Drucken, Veredeln), Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung, Handel/Vertrieb von Textilien, die aus mindestens zu 70 % Naturfasern aus "kontrolliert biologischem Anbau" (kbA) hergestellt sind. Bei den Kriterien handelt es ich um obligatorische Anforderungen. Es wird zwischen zwei Labelstufen unterschieden.

Absicherungssystem / Konformitätsprüfung

Das GOTS-Label darf nur nach erfolgreicher unabhängiger Zertifizierung verwendet werden. Der GOTS basiert auf einem dualen Qualitätssicherungssystem. Zuerst efolgt die unabhängige Zertifzierung aller involvierten Prozesseinheiten. Das bedeutet, alle Betriebe von der Entkörung bis zur Konfektionierung, sowie allen Handelsstufen müssen ein jährliches Audit vorort durchführen lassen. Lediglich zugelassene Zertifizierungsstellen, die gemäß ISO 65 akkreditiert sind und von der GOTS Working Group nach einem umfassenden Zulassungsverfahren authorisiert wurden, dürfen GOTS-Zertifizierungen durchführen. Derzeit sind das weltweit 17 zugelassene Zertifizierungsstellen.

 

Der zweite Teil des Qulitätssicherungssystems beinhaltet Rückstandsanlysen der Fertigprodukte oder Zwischenproodukte (Fasern, Garne, Stoffe). Die jeweiligen Schadstoffgrenzwerte sind durch die Richtlinien vorgegeben. Je nach Risikopotential werden vom Auditor Proben entnommen und die Rückstandsanalyse bei ISO-akkreditierte Labors beauftragt.

Märkte

2017 wurden 5.024 Einrichtungen mit 1,74 Mio Menschen, in 62 Ländern zertifiziert. Länder oder Regionen mit dem größten Anstieg an GOTS-zertifizierten Unternehmen im Jahr 2017 sind: Bangladesch (plus 40 Prozent), Nordamerika (plus 39 Prozent) und Europa (plus 29 Prozent). Die zehn Länder mit den meisten zertifizierten Standorten sind: Indien (1658), Bangladesch (534), Deutschland (480), Türkei (445), Italien (307), China (292), Pakistan (194), Portugal (180), USA (99) und Südkorea (69).

 

Gelablete Produkte werden längst nicht mehr nur von Spezial-Versendern wie Hess Natur oder Waschbär Umweltversand angeboten, sondern bei Händlern wie Rewe, DM-Drogeriemarkt und Discountern wie Aldi, Norma wird man bezüglich GOTS zertifzierter Produkte fündig. Als erster großer Anbieter hatte Walmart in den USA auf den GOTS gesetzt, weshalb sich der GOTS sehr schnell zu einem weltweit anerkannten Standard entwickeln konnte. 

kennzeichnung

Bei der Kennzeichnung zertifizierter Produkte mit dem GOTS-Logo müssen die Anforderungen des Labeling Guide eingehalten werden welcher auf der GOTS- Website verfügbar ist. Die Logo-Nutzung ist freiwillig. Bei der Verwendung des Labels muss immer der zusätzliche Hinweis zur Labelstufe, der Zertifzierungsorganisation und der Lizenz-Nr. gegeben werden.

 

Es gibt die folgenden Kennzeichnungsmöglichkeiten:

 

Labelstufe 1: „kbA/kbT" oder „kbA/kbT in Umstellung" [entspricht: „organic" oder organic - in conversion"]; der  Faseranteil muss aus mind. 95% kbA/kbT bzw. aus kbA/kbT in Umstellung vorliegen. Der Restanteil von 5% kann aus nicht kbA/kbT bzw. aus regenerierten und synthetischen Fasern bestehen.

 

Labelstufe 2: „hergestellt aus x% kbA/kbT -Fasern" oder „hergestellt aus x% kbA/kbT Fasern in Umstellung" [entspricht: „made with x% organic materials" oder „made with x% organic materials in conversion"]; der Faseranteil muss aus mind. 70% kbA/kbT bzw. aus kbA/kbT in Umstellung vorliegen. Der Restanteil von 30% kann aus nicht kbA/kbT bzw. aus regenerierten und synthetischen Fasern bestehen (diese aber nicht mehr als 10% bzw. 25% für Socken, Leggings und Sportbekleidung).

 

Kombinierte Produkte in Labelstufe 1: kombinierte Produkte mit Komponenten, die den GOTS Anforderungen entsprechen, werden mit "Kombiniertes Produkt [Name des Komponenten] nach GOTS zertifiziert ‘kbA/kbT’" bzw. "Kombiniertes Produkt [Name des Komponenten] nach GOTS zertifiziert ‘kbA/kbT’ in Umstellung" gekennzeichnet.

 

Kombinierte Produkte in Labelstufe 2: kombinierte Produkte mit Komponenten, die den GOTS Anforderungen entsprechen, werden mit "Kombiniertes Produkt [Name des Komponenten] nach GOTS zertifiziert ‘hergestellt aus x%- Fasern’" bzw. "Kombiniertes Produkt [Name des Komponenten] nach GOTS zertifiziert ‘hergestellt aus x% kbA/kbT’ in Umstellung" gekennzeichnet.

 

Wichtig bei beiden Abstufungen ist, dass der konventionelle Faseranteil nicht aus dem gleichen Rohmaterial wie der Faseranteil aus kbA/kbT bestehen darf. Dadurch wird ein „Blending" ausgeschlossen. 

Anmerkungen

Die Stärken des GOTS:

  • Ganzheitlicher Ansatz, Kriterien über die gesamte Wertschöpfungskette
  • Anspruchsvolle Kriterien für alle Produktionsstufen, GOTS-Positivliste für Chemikalien
  • Sozialkriterien
  • Transparente, unabhängige Absicherung im 3-Parteiensystem
  • Duales Absicherungssystem: Produktanalysen, jährliche Inspektionen Vor-Ort,  Betriebszertifikate und Warenbegleitzertifikate (Transaction Certificates)
  • Rückverfolgbarkeit der ökologischen Warenströme
  • In Standardentwicklung werden Stakeholder einbezogen (Multi-Stakeholderprozess)
  • Weltweite Akzeptanz in Industrie, Handel, NGOs, Regierungen (siehe Beispiel USA, laut H. Ladwig, GF Global Standard GmbH ist auch Großbritannien und Österreich in Abklärungen)
  • Erfolgreiche Harmonisierung von diversen Standards (es konnten bisher 8 Standards unter dem GOTS vereint werden)
  • Öffentlich zugängliche Richtlinien und Datenbank mit allen zertifizierten Betrieben
  • Das alles sorgt für eine hohe Glaubwürdigkeit
Die sehr hohe Anzahl zertifizierter Unternehmen spiegelt die hohe Anerkennung dieses Standards wieder.
Der GOTS wird von Organisationen wie Greenpeace und Swiss Olympics als Gold-Standard für die Beschaffung von Naturfaserprodukten angesetzt. Der GOTS wird vom Consortium of Green Fashion (CGF) in Indien als beste "Grüne Inititative" ausgezeichnet.  

 

Schwächen des GOTS:

  • Bei Bekleidung wird nicht nur aus Naturmaterillien sondern auch aus Chemiefasen hergestellt. Es stellt sich die Frage, ob der Fokus dennoch auf den Naturfasern im Sinne einer nachhaltigen Bekleidung bleiben soll? Synthektikfasern sind beim GOTS bis auf geringe Anteile und unter bestimmten Anforderungen ausgeschlossen. Aber vor dem Hintergrund, dass Chemiefasern den deutlich größeren Anteil am weltweiten Faserbedarf ausmachen, sollte sich wohl eher doch Gedanken darüber gemacht werden, ob ein Standard auch ökologische Anforderungen an Chemiefaser-Produkte berücksichtigen sollte oder sich von Chemiefasern im Sinne der Ökologie bevorzugt abgrenzen möchte. Berücksichtig man die Assoziationen der Verbraucher, dann wäre es besser weiterhin die Naturfasern zu fokussieren.
  • Der Ressourcenverbrauch wird auf Basis einer Umwelterklärung und erfassen ausgewählter Daten (zu Energie und Wasser) berücksichtig, allerdings gibt es noch keine Ambition hier in Richtung der Ressourceneffizient weiter zu denken.
  • Ungelöst und unberücksichtigt ist der enorm hohe Ressourcenverbrauch in der Nutzungsphase. Verschiedene Studien belegen (z.B. von Hess Natur, Marks and Spencer), dass der Anteil am Ressourcenverbrauch auf dem Lebensweg eines Textils in der Nutzungsphase über 75 % ausmachen.

Was andere über das Siegel sagen

Siegelklarheit: "Sehr gute Wahl" (Das Siegel erfüllt hohe Anforderungen in den Bereichen Glaubwürdigkeit sowie Umweltfreundlichkeit)

 

Label-Online: „Besonders empfehlenswert“ nachhaltig

 

Detox-Lupe: Hohes Niveau, für Naturfasern, neuerdings sind Anteile bestimmter Regeneratfasern zulässig. Chemikalienmanagement mit wenigen Schwachpunkten

Relevante Dokumente und Links