Ein Vierteljahrhundert zwischen einer Idee im textilen Handwerk und globaler Systemverantwortung. Wir haben Standards mitentwickelt, Lieferketten begleitet, politische Spannungsfelder ausgehalten und miterlebt, wie Nachhaltigkeit vom Ideal zur regulatorischen Realität wurde.
Dieser Artikel erzählt nicht nur von unseren Meilensteinen, sondern von Entscheidungen, Herausforderungen und dem Anspruch, Glaubwürdigkeit strukturell zu verankern. Eine Geschichte darüber, warum Passform für uns heute mehr bedeutet als ein gut sitzendes Hemd!
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Die wenigsten wissen, dass it fits – heute als Branchenexperte im Nachhaltigkeitskontext etabliert, seine Ursprünge in einer handwerklichen Idee hat. Am Anfang stand kein Standard, kein Audit, keine Satellitenanalyse, sondern: ein Hemd.
Als Bekleidungsingenieurin und Schneiderin hatte Katharina Schaus die Vision, maßgefertigte Hemden in Just-in-time-Produktion zugänglich zu machen – individuell, passgenau und alles andere als von der Stange.
Der Name war Programm: „it fits“ - Es passt. Nicht zu eng, nicht zu weit, nicht zu groß, nicht zu klein.
Rückblickend war das mehr als eine Produktidee. Es war eine Haltung. Die Überzeugung, dass Lösungen nicht allgemein gut, sondern konkret passend sein müssen. Maßgeschneidert, im besten Sinne. Wie stark diese Haltung einmal in internationale Lieferketten, globale Standards und digitale Verifizierungssysteme einfließen würde, war damals noch nicht absehbar.
In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Textilbranche grundlegend verändert. Transaktionszertifikate, die einst noch auf Schreibmaschinen ausgestellt wurden, sind heute digitalen Produktpässen, Blockchain-Anwendungen und satellitengestützter Herkunftsüberwachung gewichen.
Nachhaltigkeit ist längst nicht mehr nur eine Frage der Materialwahl, sondern der gesamten Wertschöpfungskette. Lieferanten, Zertifizierer, Standardgeber, Politik und Unternehmen, sie alle sind Teil eines Systems. Wie dieses sich geformt hat und welche Rolle it fits dabei gespielt hat, beleuchten wir in diesem Artikel.
Ein prägender Schritt auf diesem Weg, auf den wir besonders stolz sind, war zweifellos die Mitbegründung des GOTS-Standards, der heute als weltweit anerkannter Maßstab für ökologische Textilien gilt. Damals war er ein ambitioniertes Vorhaben, das Expertise, Beharrlichkeit und die Bereitschaft verlangte, Verantwortung zu übernehmen.
Dass der Standard auf der renommierten Intercot Conference Form annahm, die Katharina Schaus und it fits mehrfach in Deutschland und den USA organisierten, markierte einen wichtigen Moment für die Branche und auch für it fits.
Doch ein Standard allein reicht nicht aus. Er braucht Räume für Austausch, Diskussion und Weiterentwicklung. Deshalb entstanden Formate wie unser Organic Textile Forum, das insgesamt sechsmal Akteure der DACH-Region zusammenbrachte. Hier wurden nicht nur Kriterien diskutiert, sondern Perspektiven geteilt und Kooperationen angestoßen.
Diese Plattformarbeit war nicht immer leicht. Veranstaltungen dieser Qualität und Dimension sind oft ein Balanceakt zwischen Idealismus und Finanzierung. Nicht jedes Forum war gemessen an der Arbeitskraft kostendeckend, manches war ein bewusstes Investment in die Zukunftsfähigkeit der Branche und unseres Netzwerks. Dass wir dennoch daran festgehalten haben, gehört zu den Entscheidungen, auf die wir heute mit Überzeugung zurückblicken. Starke Partner mit Vision, wie xx sind hier seit vielen Jahren treue Wegbegleiter.
Umso besonderer ist es für uns, dass wir in unserem Jubiläumsjahr verkünden können, dass das Organic Textile Forum im Ende April 2027 in der 7. Ausgabe zurückkommt!
Der Zeitpunkt ist dabei nicht beliebig, denn 2027 ist ein entscheidendes Jahr für Textilindustrie. Die EU-Ökodesign-Anforderungen speziell für Textilien treten in Kraft, die EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) wird ab Juli 2027 vollständig anwendbar und der Digitale Produktpass kommt auf unsere Branche zu. Viele der notwendigen Werkzeuge, Standards und Technologien existieren bereits. Gleichzeitig zeigt die Praxis, wie komplex die Umsetzung bleibt. Zwischen Rohstoffverfügbarkeit, wirtschaftlichem Druck, regulatorischen Anforderungen und der Realität internationaler Wertschöpfungsketten sind Unternehmen umfangreich gefordert.
Das Forum versteht Nachhaltigkeit nicht als Kommunikationsaufgabe, sondern als langfristigen Entwicklungsprozess, der Zusammenarbeit, Erfahrungsaustausch und ein gemeinsames Verständnis komplexer Zusammenhänge erfordert. Wir freuen uns diesen Weg gemeinsam mit langjährigen Partnern und neu Interessierten weiter gehen zu dürfen!
Bei Interesse an der inhaltlichen Mitgestaltung des Forums und einer Sponsoring-Partnerschaft bieten wir Ihnen eine breite an Kooperations-Optionen zum Forum, die sie hier finden.
Zurück zum Weg von it fits, mit der zunehmenden Zahl an Standards wuchs auch der Bedarf an Einordnung. Unternehmen, Ministerien und Finanzinstitutionen suchten nach Orientierung: Welche Kriterien sind relevant? Wo liegen Unterschiede? Welche Systeme sind belastbar?
Zu diesem Zeitpunkt weist Katharina Schaus als aktive Auditorin bereits tausende Audits vor, die von Forschungsschwerpunkten im Baumwollanbau und Engagement in der Standardentwicklung gestützt werden. Expertise, die über die Jahre in eine Vielzahl von Studien, Gutachten und Richtlinienvergleichen, unter anderem für Ministerien, Fairtrade, den Migros Genossenschafts-Bund oder die GLS Bank, eingeflossen ist. Um systematische Analyse, nachvollziehbare Kriterienkataloge und fundierte Entscheidungsgrundlagen zu erarbeiten.
Ein besonderes Highlight war für uns das Gutachten zum Thema: "Der Weg zu nachhaltiger Kleidung - Standards, Siegel und politische Rahmenbedingungen" für das Bündnis 90/ Die Grünen. Neben Inhalten wie einer umfassenden Siegel-Evaluation, wurden Marktanalysen durchgeführt und Problemfaktoren in der textilen Wertschöpfungskette gezielt herausgearbeitet. Die abschließende Empfehlung bot konkrete Ansätze zur Problemlösung und Ansätze in Bezug auf ein staatliches Nachhaltigkeitssiegel.
Diese Arbeit hat uns einmal mehr deutlich vor Augen geführt: Nachhaltigkeit lebt von Glaubwürdigkeit. Und Glaubwürdigkeit entsteht nur, wenn Kriterien überprüfbar, Prozesse nachvollziehbar und Rollen klar getrennt sind. Neutralität ist dabei für uns bis heute kein Marketingbegriff, sondern tägliche Praxis.
So wichtig Struktur und Systematik sind – bewähren müssen sie sich in der Praxis. Unsere vielfältigen Projekte führen uns seit über zwei Jahrzehnten in verschiedenste Länder und Kontexte, die Teil der globalen Textilwertschöpfungsketten sind.
In Usbekistan etwa stand bis zum letzten Jahr der Aufbau von Nachhaltigkeits- und Zertifizierungskompetenz im Mittelpunkt eines mehrjährigen Projekts. Im Rahmen eines Training-of-the-Trainer-Programms wurden lokale Fachkräfte über Monate geschult, Standards umfassend analysiert und Unternehmen in individuellem Coaching begleitet. Audit-Simulationen, strategische Entscheidungsprozesse und konkrete Zertifizierungsschritte machten die Anforderungen greifbar.
Besonders eindrücklich war der Multiplikationseffekt: Wissen blieb nicht bei einzelnen Unternehmen, sondern wurde durch 100 in ToT-Programmen geschulte Personen weitergetragen und zeigt in erfolgreichen Zertifizierungen Wirkung (Hier erwarten Sie weitere Infos).
In anderen Projekten, wie etwa in Palästina – wurde deutlich, wie stark politische Rahmenbedingungen Nachhaltigkeitsprozesse in einem Land beeinflussen. Zeitpläne mussten angepasst, Strategien neu gedacht, Prioritäten verschoben werden. Flexibilität war immer wieder keine Option, sondern Voraussetzung. Maßgeschneiderte Lösungen bedeuteten hier vor allem: realistisch bleiben und gemeinsam Wege finden, die unter gegebenen Bedingungen tragfähig sind.
Und nicht jeder sorgfältig vorbereitete Weg wird am Ende umgesetzt. In der Zusammenarbeit mit Waschbär entstand eine fundierte Grundlage für ein eigenes Bio-Baumwollprojekt, inklusive lokalem Netzwerkaufbau und Standortanalyse. Dass die Realisierung dieses visionären Projekts letztlich aus wirtschaftlichen Gründen nicht erfolgte, war bedauerlich
Nachhaltigkeit ist selten geradlinig. Sie ist ein Prozess, der Geduld, Dialogbereitschaft und strategische Ausdauer verlangt. 25 Jahre unternehmerische Tätigkeit bedeuten auch, Herausforderungen auszuhalten.
Wir haben erlebt, wie Nachhaltigkeit vom Nischenthema zum regulatorischen Imperativ wurde. Wir haben Phasen durchlaufen, in denen Engagement belächelt wurde und andere, in denen Anforderungen sich in rasantem Tempo verschärften. Dabei war es für uns ein Grundsatz Glaubwürdigkeit nicht kurzfristigen Trends unterzuordnen.
Vertrauen als Fundament
Zertifizierungs- und Strategieberatung ist bis heute ein zentrales Standbein für uns. Vom jungen Start-up bis zum international agierenden Konzern begleiten wir Unternehmen bei der Implementierung von Standards und der Weiterentwicklung von Managementsystemen. Dabei geht es nicht nur um die Erfüllung formaler Kriterien, sondern um tragfähige Nachhaltigkeitsstrategien.
Langjährige Partnerschaften, unter anderem mit Unternehmen der Otto Group, Marc O’Polo, Aldi Süd, Holy Fashion Group oder Hysalma, sind Ausdruck dieses Vertrauens. Jede Zusammenarbeit ist individuell, jede Lieferkette anders. Die gemeinsame Aufgabe bleibt jedoch gleich: Nachhaltigkeit wirksam und glaubwürdig zu gestalten.
Neben Beratung und Projektarbeit verstehen wir Wissensvermittlung als Teil unserer Verantwortung. Mit der kostenfreien Labelschule auf unserer Unternehmenswebseite und unserem beliebten Branchen Newsletter, dem Organic Textile Journal stellen wir Fachinformationen breit zur Verfügung. Beliebte Schulungen für Auditor*innen, interne Trainings zu Baumwollstandards oder Workshops für Unternehmen rund um die Standardimplementierung und Nachhaltigkeitsstrategien ergänzen unser Angebot seit vielen Jahren.
In den letzten 25 Jahren hat sich die technische Dimension unserer Nachhaltigkeitsarbeit grundlegend verändert. Während TCs in Anfangszeiten noch auf Schreibmaschinen ausgestellt wurden, sind mittlerweile wesentliche Teilbereiche rund um Standards und Nachhaltigkeit digitalisiert.
Beim Mitaufbau des Zertifizierungssystems für den Circular Design Standard (CDS) von circular.fashion ist es zuletzt besonders gelungen digitale Potentiale und glaubwürdige Absicherung zu verknüpfen. Standardkriterien wurden von uns auf Überprüfbarkeit geschärft, Prozesse strukturiert und Qualitätssicherungssysteme mitentwickelt. So wird Zirkularität messbar und Verifizierungsprozesse werden, in Verbindung mit der innovativen circular.fashion Plattform digitalisiert.
Unser Mitwirken am OCTAVE-ESA-Projekt geht aktuell noch einen Schritt weiter. Satellitenüberwachung von Baumwoll-Anbauflächen, Isotopenanalysen zur Herkunftsbestimmung, blockchainbasierte Transaktionssysteme und digitale Nachweisführung verbinden technologische Innovation mit dem Anspruch auf Glaubwürdigkeit. Hier setzten wir unsere langjährige Expertise im Bio-Baumwollanbau mit Zukunftsvision ein.
Was früher manuell dokumentiert wurde, wird heute datenbasiert und digitalisiert abgesichert. Der Kern bleibt für uns derselbe: Vertrauen entsteht durch überprüfbare Transparenz.
Mitentwicklung des CDS-Standards durch it fits
Wenn wir heute auf 25 Jahre it fits zurückblicken, sehen wir keine gerade Linie, sondern einen Weg mit Entwicklung, Umwegen, Lernmomenten und Meilensteinen.
Die Instrumente haben sich verändert. Die Anforderungen sind komplexer geworden. Die Geschwindigkeit hat zugenommen. Was geblieben ist, ist die Überzeugung, dass nachhaltige Lösungen nur dann Bestand haben, wenn sie passen und damit maßgeschneidert sind für Unternehmen, Visionen und die Menschen, die sie in die Realität umsetzten.
Und genau deshalb sind wir auch nach einem Vierteljahrhundert noch unterwegs: mit Fachlichkeit, mit Neugier und mit der Bereitschaft, neue Themen zu wagen und weiterhin passende Lösungen zu entwickeln: it fits!
it fits - Katharina Schaus
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