Step - Sustainable Textile production

Oeko-Tex® Zertifizierungssystem für nachhaltige Textilproduktion

Standardversion

Aktuelle Version: Edition 01.2019, Januar 2019 

STeP löste den OEKO-TEX® Standard 1000 im Jahr 2013 ab. 

Klassifizierung

Umwelt- und Gesundheitslabel (Nachhaltigkeits-Label); institutionell und unabhängig; 

Typ A, Typ I, Second Party 

Betriebszertifizierung, keine Produktkennzeichnung 

STANDARDINHABER UND BETEILIGTE

Die internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie (OEKO-TEX®) ist ein Zusammenschluss von unabhängigen Textilforschungs- und Prüfinstituten mit weltweiten Kontaktbüros. Bei den OEKO-TEX® Instituten handelt es sich um akkreditierte, unabhängige Textilprüf- und Forschungsinstitute. 

 

Die Mitgliedsinstitute sind für die gemeinschaftliche Entwicklung der Prüfmethoden und Grenzwerte verantwortlich, welche den Produktlabels sowie den Betriebsstätten-Zertifizierungen und dem Chemikalienmanagement-Tool zugrunde liegen. Sie sind berechtigt, die entsprechenden Laborprüfungen bzw. Betriebs-Audits durchzuführen. Derzeit gibt es 18 Mitgliedsinstitute in Europa und Japan:  

 

Aitex - Instituto Tecnológico Textil, Centexbel, Centrocot, Citeve, 

DTI - Danish Technlogical Institute, Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen (FILK), Hohenstein Textile Testing Institute, IFTH, Innovatext, Institut Wlókiennictwa, MIRTEC S.A., Nissenken 

Quality Evaluation Center, ÖTI - Institute for Ecology, Technology and Innovation, Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e.V., Shirley Technologies Limited, Swerea IVF, Testex AG - Swiss Textile Testing Institute, Vútch-Chemitex 

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Ziel, Hintergrundinformationen

Sustainable Textile Production (STeP)" ist ein OEKO-TEX® Zertifizierungssystem für Marken, Handelsunternehmen und Hersteller der textilen Kette, die ihre Leistungen in Bezug auf nachhaltige Produktionsbedingungen transparent und glaubwürdig nach außen kommunizieren möchten. Ziel der STeP-Zertifizierung ist die dauerhafte Umsetzung umweltfreundlicher Produktionsprozesse, optimaler Arbeitssicherheit und sozialer Arbeitsbedingungen. Durch die dynamische Weiterentwicklung des STeP-Standards und der Benchmarks sind zertifizierte Unternehmen in der Lage, ihre Umweltleistungen und soziale Verantwortung sowie ihre Effizienz kontinuierlich zu verbessern. 

 

STeP ist ein Zertifizierungssystem für umweltfreundliche Produktionsstätten und Produkte entlang der gesamten textilen Kette. Voraussetzung für die STeP-Zertifizierung ist, dass in verschiedenen Unternehmensbereichen bestimmte Mindestanforderungen erfüllt werden. Dazu gehört beispielsweise der sichere Umgang mit Chemikalien, Umweltschutz, Sozialstandards und Arbeitssicherheit. Außerdem müssen die Rechte der Arbeiter eingehalten und ein Umweltmanagementsystem eingerichtet werden. Sicherheitsstandards und bestimmte Grenzwerte für giftige Stoffe müssen ebenfalls eingehalten werden.  

 

Die STeP-Zertifizierung definiert drei Stufen, die zeigen, inwieweit nachhaltige Produktions- und Arbeitsbedingungen umgesetzt sind: 

 

Level 1 = Eintrittslevel 

Level 2 = Gute Umsetzung mit weiterem Optimierungspotenzial 

Level 3 = Vorbildliche Umsetzung im Sinne eines Best-Practice-Beispiels 

 

Auf dem STeP-Zertifikat sind folgende Scoring-Ergebnisse ausgewiesen: 

  • das erreichte Nachhaltigkeits-Level 
  • eine Gesamt-Bewertung 
  • eine Einzel-Bewertung der analysierten Unternehmensbereiche 

Das STeP-Scoring schafft Transparenz, da es die Nachhaltigkeit von Produktionsbetrieben entlang der textilen Wertschöpfungskette über Ländergrenzen und gesetzliche Vorgaben hinweg auf allen relevanten Unternehmensebenen vergleichbar macht. Die detaillierte Darstellung der Assessment-Ergebnisse ermöglicht eine aussagefähige Standortbestimmung in Sachen Nachhaltigkeit und verdeutlicht insbesondere, in welchen Unternehmensbereichen noch weiteres Optimierungspotenzial besteht.  

GELTUNGSBEREICH / REGELBEREICH

Geltungsbereich: 

Jeder Produktionsbetrieb entlang der textilen Kette kann sich nach SteP zertifizieren lassen: 

  • Trocken- und Nassspinnereien 
  • Weberei, Strickerei und verwandte Prozesse 
  • Textilveredlung und Textildruck 
  • Konfektionierung von Textilien 
  • Fertigung von Zubehör 
  • Herstellung von Schaumstoff und Matratzen 
  • Logistikzentren nur für Textilien und deren Zubehörteile 

Die Zertifizierung einzelner Bereiche in mehrstufigen Betrieben (z.B. nur Veredelung) ist ebenfalls möglich, sofern der betroffene Bereich klar identifiziert ist. 

 

Regelbereich: 

Das Konzept hinter STeP ist eine ganzheitliche Analyse und Bewertung der folgenden Anforderungsbereiche bzw. Scoring-Module: 

  • Chemikalien und deren Einsatz 
  • Umweltleistung 
  • Umweltmanagement 
  • Soziale Verantwortung 
  • Qualitätsmanagement 
  • Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit 

 

Diese sechs Einzelmodule – Chemikalienmanagement, Umweltleistung, Umwelt-management, soziale Verantwortung, Qualitätsmanagement sowie Gesundheits-schutz und Arbeitssicherheit – werden im Rahmen der STeP-Zertifizierung anhand eines Scoring-Systems einzeln ausgewertet. Der Gesamt-Scoring-Wert einer Betriebsstätte ergibt sich anschließend aus dem Mittelwert aller Modul-Scores. 

 

Kriterien beinhalten unter anderem: Keinen Einsatz von umweltschädlichen Hilfsmitteln und Farbstoffe; Die Einhaltung der Richtwerte für Abwasser- und Abluftreinigung; die Optimierung des Energieverbrauchs; die Vermeidung von Lärm- und Staubbelastung; Verzicht auf Kinderarbeit; die Einführung der Grundelemente eines Umweltmanagementsystems und ein Qualitätsmanagementsystem. Damit werden die gesamte Verarbeitungskette sowie das Endprodukt selbst berücksichtigt. 

 

Es gibt keine Einschränkung auf eine bestimmte Materialzusammensetzung, der Einsatz aller Fasermaterialen ist möglich. 

ABSICHERUNGSSYSTEM / KONFORMITÄTSPRÜFUNG

Die STeP-Zertifizierung führt die Internationale OEKO-TEX® Gemeinschaft mit Ihren 18 Mitgliedsinstituten und Kontaktbüros in über 60 Ländern durch, wobei es sich um akkreditierte, unabhängige Textilprüf- und Forschungsinstitute handelt. Das Absicherungssystem besteht aus einem Assessment, Scoring, Audit und Kontrollen. 

 

Assessment: Um die Nachhaltigkeit von Produktionsbetrieben angemessen beurteilen zu können, sammelt OEKO-TEX® zahlreiche Daten und Kenngrößen vom Unternehmen. Nach Kontaktaufnahme bzw. Antragstellung bei einem OEKO-TEX® Institut erhalten die Firmen die dafür notwendigen Zugangsdaten und können ihre Angaben in einen Online-Fragebogen eintragen und an das Institut senden. Nach der Bewertung der Daten erhält der Antragsteller einen ausführlichen Bericht über das Assessment-Ergebnis  

Interessierte Unternehmen können selbst entscheiden, ob sie das Assessment für rein interne Zwecke einsetzen (beispielsweise um einen Status Quo ihres nachhaltigen Engagements zu ermitteln), oder ob sie es als Zertifizierungsprozess durchführen, um sich nach STeP auszeichnen zu lassen.  

 

Audit: Die Überprüfung erfolgt in Form einer Auditierung des Produktionsbetriebs durch das betreuende OEKO-TEX® Institut. Ein OEKO-TEX® Auditor besucht den Produktionsbetrieb vor Ort und überprüft die Angaben aus dem elektronischen Fragebogen. OEKO-TEX® erstellt einen ausführlichen Bericht über die Audit-Ergebnisse und stellt bei Erfüllung der geforderten Kriterien ein STeP-Zertifikat an das antragstellende Unternehmen aus. Anschließend ist das Unternehmen berechtigt, seine STeP-Zertifizierung nach außen zu kommunizieren und damit zu werben.  

 

Kontrollen: Zusätzlich zu den routinemäßigen Audits im Rahmen der STeP-Erstzertifizierung und -Verlängerung führt OEKO-TEX® sowohl Zwischen-Audits (Compliance Audits) als auch unangekündigte Firmen-Audits durch, um die Einhaltung der geforderten Kriterien nach der Zertifikatsausstellung in den Produktionsbetrieben vor Ort zu kontrollieren. 

 

Ein STeP-Zertifikat ist drei Jahre lang gültig und kann danach beliebig oft verlängert werden. 

MÄRKTE

Derzeit sind 251 Betriebe weltweit nach dem STeP zertifiziert.

 

Datenbank zertifizierter Betriebe/Produkte 

Kennzeichnung

STeP ist im Gegensatz zu anderen „Siegeln“ eine Betriebszertifizierung und keine Produktzertifizierung. Das STeP by OEKO-TEX® Label darf nicht zur Kennzeichnung von Produkten genutzt, sondern ausschließlich in der B2B-Kommunikation verwendet werden. 

Nur wenn die Produkte nach STANDARD 100 by OEKO-TEX® zertifiziert sind und darüber hinaus gemäß OEKO-TEX® Richtlinien in STeP-zertifizierten Produktionsstätten hergestellt wurden, dann kann das MADE IN GREEN Verbraucherlabel genutzt werden. D.h. das Label/die Kennzeichnung auf Produktebene zum STeP in Kombination mit Öko-Tex 100 ist das “Made in Green” – Siegel. Das Made in Green-Label wird auf allen Stufen der Produktion vergeben. 

 

Damit kennzeichnet der Standard Produkte, die nachweislich unbedenklich für Verbraucher sind und die unter sozialverträglichen Arbeitsbedingungen sowie mit Hilfe umweltfreundlicher Produktionstechnologien hergestellt wurden. Anhand eines QR-Codes können Produkte zurückverfolgt werden. Es werden Informationen geliefert über Produktionsbetriebe, Produktionsstufe und die Länder der jeweiligen Fertigung. 

Anmerkungen

Der SteP by Oeko-Tex ist ein anspruchsvoller Standard, der umfassende ökologische und soziale Anforderungen definiert, die über die gesamte Wertschöpfungskette reichen. Damit fällt dieser Standard eindeutig in die Kategorie „Nachhaltigkeitslabel“. Anwendbar ist er auf alle Faserarten (Naturfasern und Synthetikfasern), es sind keine Bio-Fasern vorgeschrieben. 

Zeichengeber, Zeichennehmer und Prüfer sind rechtlich / wirtschaftlich nicht ausreichend voneinander unabhängig, da die Organisation, die das Siegel vergibt, auch selbst die Kontrollen durchführt. Somit weist der STeP in Punkto Unabhängigkeit Schwächen auf. Für die Audits werden auch externe Zertifizierungen akzeptiert, diese sind aber nicht zwingend vorgeschrieben und es wäre zu hinterfragen, wie diese Anerkennung genau aussieht. 

WAS ANDERE ÜBER DAS SIEGEL SAGEN

Siegelklarheit (über Made in Green), Feb. 2019: sehr gute Wahl! 

Dieses Siegel erfüllt besonders hohe Anforderungen in den Bereichen Glaubwürdigkeit, Umwelt und Soziales 

 

Label-Online, Feb. 2019: Empfehlenswert nachhaltig, Abstriche in punkto Unabhängigkeit 

Es handelt sich um ein anspruchsvolles Label, das wesentlich zu ökologischen und sozialen Verbesserungen bei der Herstellung von Textilien beiträgt und dadurch auch als Nachhaltigkeitslabel bezeichnet werden kann. 

Die Kriterien für die Vergabe des Labels werden von unabhängigen Stellen mitentwickelt, der Vergabeprozess ist transparent. Umfassende und regelmäßige Kontrollen machen das Label glaubwürdig. Da die Prüfinstitute, die das Label vergeben, auch die Kontrollen durchführen, ist die Unabhängigkeit aus Sicht von Label-online eingeschränkt. Für die Audits werden auch externe Zertifizierungen akzeptiert, diese sind aber nicht zwingend vorgeschrieben.  

Verstößt ein Labelnehmer gegen die Vergabekriterien des Labels, so werden ihm Sanktionen auferlegt. Verbraucher können alle wichtigen Informationen zum Label kostenlos abrufen. 

 

Textil-Siegel im Greenpeace-Check, Auflage 5 April 2018 (über Made in Green): drei von drei Sternen 

Chemikalien: 

Die Chemikalien-Ausschluss-List des STeP ist inzwischen Detox-konform. Für den Chemikalien-Check im Endprodukt nach Oeko-Tex Standard 100 können Firmen zwischen Anhang 4 oder dem strikteren Anhang 6 wählen, dabei sind Grenzwerte für Babys jeweils die strengsten. Anhang 6 ist ambitionierter als GOTS oder Bluesign. Alle Oeko-Tex-Standards und Richtlinien werden jährlich überarbeitet. 

Kreislauffähigkeit/Recycling: 

Made in Green zertifiziert auch Recycling- und Mischfasern. Da Letztere schlecht recycelbar sind, ist die Kreislauffähigkeit der Textilien eingeschränkt. Geschlossene Produktionskreisläufe in Fabriken sind jedoch eine Zielmarke. 

RELEVANTE DOKUMENTE UND LINKS