Cradle to Cradle Certified™

Verbesserte Transparenz bei Cradle to Cradle

Standardversion

 Standard und Siegel gibt es seit 1995 / 2006/ 2010

 Aktuelle Version 3.1; 2016

Klassifizierung

Umwelt- und Gesundheits-Label; privat, non profit, unabhängig;

Typ A, Typ l, third party 

Bildmarke, Logo

Standardinhaber und Beteiligte

Das Cradle to Cradle Products Innovation Institute (C2CPII) ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die den Cradle to Cradle Certified™ Produktstandard verwaltet. Der Produktstandard wurde von Prof. Michael Braungart und William McDonough über mehr als 25 Jahren in Zusammenarbeit mit führenden Weltmarken entwickelt und die Zertifizierungsrechte wurden für das C2CPII ohne finanzielle Kompensation lizenziert. Das Institut wird von einem unabhängigen Aufsichtsrat geführt und hat seinen Hauptsitz in Oakland, Kalifornien. Die Arbeit des Institutes wird von Stiftungen und Personen finanziert. Durch Einkommen aus Trainingsprogrammen, Zertifizierungs- und Lizenzgebühren wird das Institut selbsttragend wirtschaften. Die Anschubfinanzierung wurde von der Nationale Postcode Loterij und der Schmidt Family Foundation, gegründet von Wendy und Eric Schmidt, bereitgestellt.

 

15 lizensierte Organisationen mit Berechtigung als akkreditierte Gutachter:

McDonough Braungart Design Chemistry (MBDC), SGS North America, ToxServices LLC, Eco Intelligent Growth, EPEA GmbH, EPEA Switzerland GmbH, Tebodin, SGS Search Consultancy, ARCHE Consulting, C2C Platform, OmniCert Umweltgutachter GmbH, Vugge til Vugge ApS, EPEA France, ITT Performance - Unisinos, CTE Centro de Tecnologia de Edificações

Ziel, Hintergrundinformationen

Cradle to Cradle bedeutet Ökoeffektivität, d.h. es beschreibt einen bestimmten nachhaltigen Herstellungsprozess. Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) ist ein Designkonzept mit einer Herangehensweise zur Gestaltung und Herstellung ökologisch intelligenter Produkte. Es handelt sich dabei um eine Produktzertifizierung und nicht um eine Betriebszertifizierung. Die Inhaltsstoffe der Produkte können bis nahezu 100% zurückgewonnen werden, anstatt diese als Abfall zu deponieren, zu

verbrennen oder zu recyceln. Das Cradle to Cradle Certified™ beinhaltet die Beurkundung der Verwendung von umweltsicheren, gesunden und wiederverwertbaren Materialien (technische Wiederverwertung oder Kompostierung), Verwendung von regenerativen Energieformen, den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser sowie die Strategien zu sozialen Verpflichtungen des Unternehmens (basierend auf SA8000/WRAP). Zertifikate gibt es in fünf Abstufungen: "Basic", "Bronze", "Silber", "Gold" oder "Platin", die das Leistungsspektrum unter zertifizierten Produkten anerkennen und Anreiz für Fortschritt schaffen. Sie sind jeweils zwei Jahre gültig, bevor eine neue Überprüfung anfällt. Um eine bestimmte Zertifizierungsstufe zu erlangen, muss ein Produkt die Mindestanforderungen der entsprechenden Stufe in allen fünf Kategorien erfüllen. Seit 2009 hat das Label ein neues Instrument "zugelassene Wirkstoffe" integriert, welches auch für Textilien und Bekleidung angewendet werden kann. Mit diesem Zertifizierungs-Programm für Chemikalien wird die Nachhaltigkeit des Produkts und Zutaten für menschliche Gesundheit und Umwelt beurteilt, sowie deren Recyclingfähigkeit oder Kompostierbarkeit. Mit diesem Tool wird die Planung von ökologisch-intelligenten Produkten erleichtert, in dem die Auswahl der Materialien gemäß den wichtigsten Kriterien der Nachhaltigkeit getroffen werden kann.

Geltungsbereich / Regelbereich

Geltungsbereich 

Materialien und Zwischen- sowie Fertigprodukte aus allen Branchen (mit der Ausnahme von Medikamenten und Lebensmitteln, wohl aber deren Verpackungsmaterialien) können zertifiziert werden. D.h. für alle Industriezweige geeignet, das Label wird auch für Textilien vergeben. 

 

Regelbereich 

Die Prozesskette wird nach der Rohstofferzeugung betrachtet. Wichtig für die nachhaltige Produktentwicklung ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, wobei fünf Qualitätskategorien berücksichtigt werden. Materialgesundheit: Bestandsaufnahme aller Inhaltsstoffe, damit diese auf ihre toxikologischen und ökotoxikologischen Eigenschaften hin bewertet werden können. Alle schädlichen Chemikalien müssen ersetzt werden, so dass die Bestandteile des Produktes gesunde Nährstoffe für Materialkreisläufe sein können. Materialkreislauf: Produkte werden so gestaltet, dass ihre Bestandteile entweder biologisch abbaubar sind oder – als Teil des biologischen oder technischen Kreislaufs - recycelt werden können. Bei jeder Zertifizierungsstufe müssen Fortschritte erzielt werden, um die Kreisläufe der Materialien zu verbessern. Erneuerbare Energien und Klima: bis zu 100 % der Produktionsenergie müssen aus erneuerbaren Energiequellen stammen, so dass die Produktion klimaneutral gestaltet wird. Wasser: Bei jeder Zertifizierungsstufe müssen Fortschritte erzielt werden, so dass das gesamte Abwasser nach und nach Trinkwasserqualität erreicht. Soziale Verantwortung: Das Unternehmen wird so geführt, dass alle Menschen und Ökosysteme mit Respekt behandelt werden und ein ständiger Fortschritt in Richtung einer insgesamt positiven Wirkung auf Menschheit und den Planeten erzielt wird. Material Health, Material Reutilization, Renewable Energy & Carbon Management, Water Stewardship, Social Fairness sind die übergeordneten Ziele. Materialeinsatz muss bis auf die 100 ppm (0,01 %) Ebene gemeldet werden. Bestimmte Stoffe müssen jedoch auf jeder Ebene gemeldet werden: Toxische Schwermetalle wie Blei, Quecksilber, sechswertiges Chrom und Kadmium, Pigmente, Farbstoffe und andere Farbstoffe, Phthalate, halogenierten organischen Verbindungen. 

Absicherungssystem / Konformitätsprüfung

Zertifiziert wird durch C2CPII. Der Antragsteller reicht bei einem der 15 akkreditierten Gutachtern die Dokumente zum Materialeinsatz, Energiemenge und -quelle(n), Wassermanagement und sozialer Verantwortung ein. Basierend auf den Dokumenten führt der Gutachter eine Materialbewertung unter ökologischen und gesundheitlichen Aspekten durch und evaluiert die Prozesse sowie soziales Engagement. Anschließend führt C2CPII das Audit sowie die Zertifikatsvergabe durch. Zertifikate müssen alle zwei Jahre neu beantragt werden. Begutachtung: Das zur Evaluierung beauftragte Institut folgt den Richtlinien des Produktstandards und erstellt eine Begutachtung der Produktbestandteile und des Produktionsprozesses. Diese beinhaltet eine Besichtigung der Produktionsstätten, welche vom Standard gefordert werden und die Verfassung eines Begutachtungsberichtes, der zur Überprüfung an das Cradle to Cradle Products Innovation Institute (C2CPII) in San Francisco gesandt wird. 

 

Es folgt die Auswertung: Die Arbeit des beauftragten Institutes besteht darin, die Zusammensetzung des Produktes und den Produktionsprozess auszuwerten. Es wird zudem ermittelt, was am Ende der Gebrauchsphase mit dem Produkt geschehen soll. Die Materialaufstellung, der Optimierungsplan und andere Dokumente werden unter Einhaltung von Geheimhaltungsverträgen zwischen dem Gutachter, dem Unternehmen und dessen Zulieferern erarbeitet. Um eine Zertifizierung zu aktualisieren, müssen Unternehmen das jeweilige Produkt samt entsprechenden Produktionsdaten alle zwei Jahre liefern, um ihre Bestrebungen nach Verbesserungen in allen Kategorien des Standards unter Beweis zu stellen. Zurzeit gibt es 15 lizensierte Organisationen mit der Akkreditierung als Gutachter für die Cradle to Cradle Certified™ Zertifizierung. 

Kennzeichnung

Produkte, die den Kriterien entsprechen, erhalten das Cradle to Cradle Certified™ Gütesiegel auf einer bestimmten Zertifizierungsstufe: Basic Level, Bronze Level, Silber Level, Gold Level, Platinum Level. Zertifizierte Produkt werden in das offizielle Register eingetragen und an das Netzwerk ähnlicher Register von nachhaltigen Produkten weitergeleitet. 

Märkte

Die meisten Labelnutzer in der Textilbranche befinden sich in Schweiz, Österreich, Deutschland, Niederlande, Italien und Pakistan. Unter den deutschen Textilfirmen, welche C2C nutzen sind u.a. TRIGEMA, wet green, Karl Dieckhoff, Lauffenmühle, Deco Deisgn Fürus, JAB Anstötz, Winmöller. Insgesamt gibt es 40 zertifizierte Textil-Produkte, Bekleidung, Zubehörteile (28 zertifizierte Textil-Firmen) (http://www.c2ccertified.org/products/registry, stand Januar 2019). Zertifizierungen insgesamt: 497 Produkte building materials, interior design, personal & home care, paper & packaging davon sind Basic (11) Bronze (233) Silver (176) Gold (92) Platinum (0).

Anmerkungen

Die Bewertung eingesetzter Materialien unter Umwelt- und Gesundheitsaspekten und die Prozessoptimierung in der Herstellung stehen im Vordergrund. Erst ab dem GOLD Standard sind Bio Baumwolle oder Organische Zertifikate für die natürlichen Rohstoffe Pflicht. Für Synthetikfasern wird der Einsatz von Kreislauffähigen Materialien und Mischungen abgefragt, sowie deren Anteil an rezyklierten Material. Umwelt- oder gesundheitsschädliche Materialien werden als toxisch bewertet und reduzieren den Grad der Zertifizierung. GOLD bedeutet die gesamte eingesetzten Inhaltstoffe sind sicher für biologische oder technische Kreisläufe. Das Thema Wasserverbrauch und Wasserqualität und Abwassermanagement wird bei diesem Standard sehr umfassend abgefragt und damit in den Fokus der Aufmerksamkeit von Zeichennehmern gestellt. Positiv zu vermerken ist, das genaue Erfassen der Energiemenge und die besondere Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien. Soziale Fairness wird umfassend bewertet. Unabhängige Dritte Zertifizierungen wie Fairtrade oder SA8000 Zertifikaten werden akzeptiert. Die sozialen Standards werden ausführlich mittels Firmenaudits überprüft. Das Cradle-to-Cradle Product Innovation Institute hat ein Zertifizierung-Standard-Board eingeführt, um die Weiterentwicklung der Cradle-to-Cradle-Zertifizierung und das Produkt-Protokoll besser zu überwachen.

Was andere über das Siegel sagen

Siegelklarheit, Feb. 2019: Gute Wahl!

Dieses Siegel erfüllt besonders hohe Anforderungen im Bereich Glaubwürdigkeit und unsere Anforderungen im Bereich Umwelt.

 

Label-Online, Feb. 2019: Besonders empfehlenswert!

Es handelt sich um ein anspruchsvolles Label, das wesentlich zur Einführung einer Kreislaufwirtschaft beiträgt. Es berücksichtigt dabei soziale, ökologische und ökonomische Aspekte der Nachhaltigkeit, so dass es als Nachhaltigkeitslabel bezeichnet werden kann.

 

Die Kriterien für die Vergabe des Labels werden von weitgehend unabhängigen Stellen mitentwickelt, der Vergabeprozess ist transparent. Umfassende und regelmäßige Kontrollen machen das Label glaubwürdig. Verstößt ein Labelnehmer gegen die Vergabekriterien des Labels, so können ihm Sanktionen auferlegt werden. Verbraucher können alle wichtigen Informationen zum Label kostenlos abrufen.

 

Textil-Siegel im Greenpeace-Check, Auflage 5 April 2018: zwei von drei Sternen!

Chemikalien
C2C hat eine eher limitierte Liste ausgeschlossener Chemikalien, bewertet aber alle eingesetzten Substanzen nach 23 toxikologischen Kriterien (krebserregend, hormonell wirksam, giftig für Wasserorganismen oder persistent). C2C ist ein sehr umfassendes und beim Gold-Level anspruchsvolles System, aber für den Verbraucher schwer durchschaubar.
Kreislauffähigkeit/Recycling
Kreislauffähigkeit – sowohl biologisch als auch technisch – ist der Kern des C2C-Prinzips. Je sauberer, besser biologisch abbaubar und technisch recycelbar die Produkte sind, desto besser die Zertifizierungsstufe.

Relevante Dokumente und Links