Indien/Soziales
Schulen dieser Welt
Farbig erscheint uns die fremde Kultur in Indien. Armut ist gegenwärtig, dennoch ist Gastfreundschaft und Offenheit höchste Tugend der Menschen in Indien. Internationale Partnerschaften sorgen für nachhaltige, d.h. soziale, ökologische und wirtschaftliche Entwicklungen in Indien.
Beachtliches wird am Don Bosco Self-Employment Research Institute in Kalkutta (Lilluah) geleistet, wo sich Salisienser einer besonderen Herausforderung widmen. Straßenkinder oder Kinder, die keinen Zugang zu regulären Schulen haben, werden am Don Bosco Institut aufgenommen und erhalten dort eine solide, 2 bis 3 jährige berufliche Ausbildung. Ganz bewusst werden praktische Berufe wie Schneider, Schreiner, Schlosser, Elektriker gelehrt, die ergänzt durch verschiedene Maßnahmen jedem Schüler eine sichere Existenz mit auf den Lebensweg geben.
Es war ein großes Vergnügen den Textil-Unterricht der Näher, Stricker, Weber und Sticker ein paar Tage zu begleiten und wo es möglich war, auch anzupacken. Neben vielen interessanten Begegnungen entwickelte sich eine besondere Freundschaft zu Pritikana, der Schneider-Lehrerin. Die großzügige Gastfreundschaft vermittelte unvergessliche Eindrücke über das Leben in Indien und natürlich ein genaueres Verständnis über das Ausbildungssystem am Don Bosco Institut.
Das notwendige Arbeitsmaterial wird von Firmen gestiftet. Alle Produkte, die im Unterricht hergestellt werden, verkauft die Don Bosco-Schule auf dem einheimischen Markt. Im letzten Ausbildungsjahr üben sich die Schüler mit dem eigenständigen Verkaufen ihrer Werke. Der Erlös wird für jeden Einzelnen angespart, als Startgeld zur Gründung einer selbständigen Existenz. Eine Nähmaschine z.B. kostet in Indien ca. 75 Euro. Sollten die Ersparnisse dafür dennoch nicht ausreichen, hilft das Don Bosco Institut bei der Beschaffung eines Kredites.
Spenden und viel Eigenleistung ermöglichten u.a. den Bau eines neuen Gebäudes, in dem nun noch mehr Kinder aufgenommen und künftig auch medizinische Berufe unterrichtet werden können. Für körperbehinderte Kinder ist eine spezielle Ausbildung am Computer eingerichtet, wodurch auch sie eine berufliche Chance erhalten. Spenden an die Don Bosco Schule werden nicht nur verantwortungsbewusst eingesetzt, sie leisten auch einen enormen Beitrag zur Förderung sozialer und beruflicher Entwicklung. Das könnten ihre Lieferanten oder Partner von Morgen sein.
Im Bio-Förderprojekt Maikaal, initiiert von der Remei AG in der Schweiz und dem indischen Partner Maikaal Fibers, sind neben den ökologischen und wirtschaftlichen ebenfalls soziale Ziele gesteckt. Es wurde eine Stiftung eingerichtet, die den Ausbau von Sozialeinrichtungen und die Verbesserung der Infrastruktur unterstützen soll. Mit Hilfe dieser Stiftung konnte z.B. ein Dorf mit einer Häckselanlage ausgestattet werden, Bewässerungsrohre verlegt, mehrere Brunnen gebohrt oder Solarkocher für die Energiegewinnung verteilt, sowie der Bau einer neuen Schule mitfinanziert werden. Durch die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft sparen sich die Bauern die Ausgaben für teure Chemikalien. Der ökologische Anbau sorgt dafür, das der Boden seine Fruchtbarkeit zurück erhält und die Menschen, die diesen bewirtschaften, keinen gesundheitlichen Risiken mehr ausgesetzt sind. Als Bio-Prämie für die Baumwolle erhalten die Bauern einen Mehrpreis von 25% und durch eine Abnahmegarantie sowie zinslos gewährte Darlehen wird die Existenz der Bauern in jeder Hinsicht abgesichert.
Die Kernaufgabe im Bereich der Umwelt- und Sozialstandards ist die Herstellung der Balance zwischen ökonomischen und sozialem Fortschritt und dem Erhalt der natürlichen Ressourcen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) bemüht sich seit Jahren um den sozialen Ausgleich der Weltwirtschaftsprozesse. Diese völkerrechtlichen Maßnahmen müssen durch die Regierungen in politische Vorgaben und nationales Arbeitsrecht umgesetzt werden.
Daneben haben sich aber auch viele private Initiativen für die Einhaltung sozialer Standards engagiert, wie die geschilderten Beispiele deutlich zeigen. Dazu zählt auch die "Kampagne für saubere Kleidung", die einen Verhaltenskodex für Textil- und Bekleidungsunternehmen umfassen soll. Ein weiteres wichtiges Instrument ist die Auditierung der Sozialverträglichkeit gemäß dem Standard SA 8000 durch die privat organisierte, unabhängige Betriebszertifizierung. Unternehmen, die ihre Textilien nach ökologischen Kriterien herstellen und vermarkten, haben erkannt, dass konkrete Schritte zur Sozialverträglichkeit sich als Wettbewerbsvorteil nutzen und kommunizieren lassen. Das setzt allerdings voraus, das dieser Anspruch gemeinsam mit den Lieferanten entwickelt und geplant werden muss, damit auch eine Wirtschaftlichkeit gewährleistet ist.
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