China/Seide
Land der Seide und der vielen Gesichter.
Man muss es selbst erlebt haben: das moderne Shanghai im Glanz der neuen Wolkenkratzer und seinem berühmten Bund; Peking mit seinen vielen historischen Sehenswürdigkeiten wie die Verbotene Stadt, den Platz des Himmlischen Friedens, den Sommerpalast usw.; die unvorstellbare Länge der Großen Mauer; das traditionelle Leben in der Provinz Sichuan; oder die exotischsten Köstlichkeiten der verschiedenen Regionen, wo Schlangen, Käfer, Kröten, Skorpione usw. zu den alltäglichen Lebensmitteln gehören.
Der in Bau befindliche größte Staudamm der Erde, wird mit der Eröffnung 2003 unzählige Städte unter Wasser setzen. Tausende von Menschen werden umgesiedelt und das Landschaftsbild wird sich gravierend ändern, wenn die berühmten Schluchten des Yangste plötzlich versunken sind. Ob die resultierende Energiegewinnung aus diesem Projekt die enormen Eingriffe in die Umwelt wert sind, ist äußerst fragwürdig.
China ist bis heute, neben Indien und Japan das wichtigste Erzeugerland von Rohseide. In geringerem Umfang wird Seide aber auch in GUS, Brasilien, Korea, Vietnam Thailand u.a. gewonnen. Mit rund 80 000 Tonnen macht Seide nur etwa 1% der Weltfaserproduktion aus. Die VR China ist mit knapp 90% der größte Exporteur von Rohseide, sowie Garnen, Gewebe und Bekleidung. Seide ist eine tierische Faser.
Die Maulbeerseide/Naturseide wird aus den Kokons des Maulbeer-Seidenspinners gewonnen. Unterschieden wird diese in Haspelseide aus den Endlosfilamenten (wie Grège, Organzin, ...) und in die gesponnene Seide (Bouretteseide, Shappeseide). Als Tussahseide/ Wildseide bezeichnet man die Seide des wildlebenden Tussahseidenspinners. Die Qualität und Eigenschaften der Seide ist abhängig von der Raupenart (Maulbeerseide, Wildseide), der Faserart und ihrer Verarbeitung (Haspelseide, Schappeseide, Bouretteseide) und der Verarbeitungsstufe (Rohseide, entbastete Seide, erschwerte Seide).
Zur Gewinnung von 1kg Rohseide benötigt man ca. 10 bis 11kg Kokons. Aus einem Kokon kann 1/3 Realseide (ca. 1000m) gewonnen werden und dementsprechend 2/3 nicht haspelbare Seide (ca. 2000m). Die Ernte von 50 000 Raupen ergibt 1000 kg Seidenkokons, mit einem Ertrag von etwa 120 kg Rohseide.
Seide wird immer noch nach traditionellen Methoden hergestellt und erfüllt daher auch Anforderungen an ökologische Produkte. In vielen Regionen bilden die Maulbeerbäume die Randbepflanzung für die restliche Agrarproduktion, so dass die Seide eher als ein Nebenprodukt genutzt werden kann. Seide ist ein nachwachsender Rohstoffe und biologisch abbaubar. Der Energieaufwand beschränkt sich meist auf Transporte.
Der Seidenspinner ist aber inzwischen zu einem Haustier geworden, der ohne künstliche Aufzucht durch den Menschen kaum existieren könnte. Der gezüchtete Maulbeer-Seidenspinner (Bombyx mori) durchläuft in seiner Entwicklung vier Stadien (Ei, Raupe, Puppe/Kokon, Schmetterling). Zur Vergrößerung der Kokos werden die Raupen mit Hormonen behandelt und zum Schutz gegen Insekten und Krankheiten wird Formaldehyd und chemische Desinfektionsmittel eingesetzt. Konservierung ist das Mittel gegen Fäulnis und Bakterienbefall bei den Eigelegen und für die Kultivierung der Maulbeerbäume (für die Fütterung) werden Kunstdünger und Pestizide ausgebracht. In China gibt es bereits vorbildliche Bemühungen, Seide nach ökologischen Anforderungen, z.B. in Demeterqualität, herzustellen und weiterzuverarbeiten.
Sind Sie interessiert an weiteren Fakten und Kontakten oder an der Forschung nach ökologischem Optimierungspotential in der Seidenproduktion, dann können Sie sich gerne an it fits wenden.