Argentinien/Wolle
Wolle aus dem südlichsten Teil der Erde
Argentinien mit seinen Landschaften und der besonderen Tierwelt ist ein einzigartiger Augengenuss. Der Iguazu-Wasserfall im Norden ist umrahmt von einem Dschungel mit einer unglaublichen Vogelvielfalt. In Buenos Aires pulsiert das Leben, mit seinen vielen Kaufhäusern, auf den Plazas oder beim Familien-Picknick auf kleinen Grünflächen an 4-spurigen Strassen. Ein Traum ist die Halbinsel Valdés, wo Seelöwen, Seeelefanten, Strauße, Lamas, Wale, Pinguine und viele mehr zu Hause sind. Im Westen erstrecken sich die Anden, dort streifen Kondore von Bergspitze zu Bergspitze. Ganz im Süden bis hin zum Feuerland befinden sich gigantische Gletscher, die noch bis zu 2m am Tag wachsen. Riesige Estancias sieht man in der Pampa und den weiten Steppen Patagonias, wo die sog. Gauchos (Viehhüter) ihre Arbeit finden.
Wenn ein komplettes Rind über einer Feuerstelle grillt wird und das Assado richtig mundet, dann kommt echte argentinische Stimmung auf. Zum wichtigsten Ritual zählt das gesellige Matetee-Trinken. Eigens dafür ist der Argentinier auch unterwegs mit speziellen Utensilien ausgestattet, ein Bombicha, aus dem der Matetee getrunken wird und für den ständigen Nachschub die Thermoskanne unter dem Arm sowie das Teepulver im Beutel.
Im November 1998 richtete die IFOAM ihre 12. Generalversammlung und den Organic Agriculture Congress in Mar Del Plata aus, ein beliebter Badeort Argentiniens. Bei dieser Veranstaltung wurde u.a. auch die erste Draft-Version der IFOAM-Textil-Rahmenrichtlinien verabschiedet.
Aus Argentinien kommt neben Baumwolle auch 5% der weltweit erzeugten Wolle. Zum Beispiel weiden auf der größten Farm des Südens von Patagonia, der Estancia "Anita", ca. 35 000 Schafe auf einer Fläche von 65 000 ha. Schafe werden in fast allen Ländern der Erde gehalten, wobei Australien, GUS und Neuseeland die wichtigsten Wollerzeuger sind und einen Anteil von mehr als 80% des gesamten Wollexportes ausmachen. Argentinien als 5-größter Wollerzeuger ist nicht ganz unbedeutend. Die weltweite Produktion von gewaschener Schafwolle beträgt 1,6 Mio. Tonnen, was ungefähr 96% aller produzierten Tierhaare entspricht, aber nur 5% aller produzierten Fasern. Die Gesamtproduktion aller weiteren Tierhaare, wie Mohair, Angora, Kaschmir, Alpaka, Kamelhaar beträgt jährlich lediglich 57 000 t.
Die Hauptqualitäten im Bekleidungsbereich sind mit ca. 40% die feinste Merinowolle aus Australien, Neuseeland, Südafrika sowie mit ca. 30% die etwas gröbere Crossbredwolle aus Neuseeland oder Argentinien. Grobe Wollen, wie die Cheviotwolle aus Großbritannien, werden hauptsächlich in der Teppichindustrie eingesetzt.
Die Qualität der Wolle hängt von Faktoren ab, wie Schafrasse, Herkunftsland, Verschmutzungsgrad bei der Tierhaltung, einer sorgfältigen Schur (möglichst zusammenhängender Fließ, Schafe nicht verletzen), vom Alter des Schafes (Lammwolle/erste Schur, Jährlings-wolle, usw.) oder von der Gewinnung (gesundes Schaf, Sterblingswolle, Gerberwolle vom geschlachtetem Tier, Recyclingwolle/Reißwolle), etc.. Einteilung der Wollqualitäten erfolgt dann nach Feinheit, Kräuselung, Stapellänge, Elastizität, Reißfestigkeit, Färbung und Verschmutzung.
Schurwolle, als nachwachsenden Rohstoff, erfüllt verschiedene Anforderungen an ökologische Produkte, wie Landschaftspflege durch die Nutzung brachliegender Flächen für die Schafhaltung, relativ geringer Energieaufwand oder Verwendung aller Haupt- und Nebenprodukte (Fleisch, Kämmlinge, Lanolin, usw.). Wolle ist biologisch abbaubar und kann als Langzeitdünger eingesetzt werden.
Problematisch ist jedoch der enorme Preisdruck für Rohwolle oder aus ökologischer Sicht zum Beispiel der Parasitenbefall (Läuse, Flöhe, Zecken, Milben, ...) bei der Massentierhaltung, welche u.a. die Wollqualität verschlechtern. Deshalb werden, leider vor allem in Südamerika, die Tiere vorsorglich in Pestiziden gebadet. Die Rückstände dieser, aber auch anderer Chemikalien, findet man letztlich auch in der fertigen Bekleidung wieder. Nicht zu unterschätzen ist das Risiko, dem die Arbeitskräfte beim Einsatz der Pestizide ausgesetzt sind und darüber hinaus irreparable Umweltschäden verursachen.
In Argentinien gibt es derzeit noch keine Wolle, die gemäß ökologischer Standards (z.B. Demeter-Richtlinien) hergestellt wird. Die verfügbare kbt-Wolle stammt zum größten Teil aus Australien.
Ob innerhalb der Woll-Produktion oder der Marktsituation, es existiert ausreichend Potential für eine ökologische Optimierung.
it fits tut sein Bestes Ihnen weiterzuhelfen und liefert gerne weitere Fakten und Kontakte.